Lern- und Lehrkultur

Unsere Ganztagesgrundschule in Wahlform hat einen musischen und bewegungserzieherischen Schwerpunkt. Unser Ziel ist eine allumfassende, ressourcenorientierte Persönlichkeitsbildung in einer für die gesunde Entwicklung jedes Kindes förderlichen Umgebung. Unsere Schule ist sowohl Lern-, als auch Lebensraum der uns anvertrauten Kinder.

Neben der individuellen intensiven Förderung der kognitiven Fähigkeiten ist uns die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit jedes Kindes besonders wichtig. Zentrale Bestandteile unseres Schulkonzepts sind die Förderung der sozialen Kompetenz durch vielfältige Unterrichtsmethoden und Angebote im Ganztageskonzept, eine umfassende Ausbildung im musisch-kreativen Bereich durch eine enge Kooperation mit dem Musikverein Ossweil, der Jugendmusikschule und unserer Chor-und Theater-AG, die Erziehung zur Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit in einem handlungsorientierten differenzierten Unterricht, und die tägliche Einbeziehung von Bewegungs- und Entspannungselementen im täglichen Schulgeschehen.

Das pädagogische Konzept der Schlößlesfeldschule reagiert auf die veränderte Lebensumwelt unserer Kinder und gleichzeitig auf die veränderten Anforderungen des späteren Berufslebens. Wir sehen unsere Aufgabe darin, spezifische Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Kindern ermöglichen, Eigeninitiative zu entwickeln. Dies ist heute besonders wichtig, weil die natürliche Umwelt des Kindes kaum noch Möglichkeiten für spontanes, selbstbestimmtes Handeln bietet.

Medien, Arbeitslosigkeit, Berufstätigkeit beider Eltern, Trennung, verschiedene kulturelle Erfahrungen, Sprachdefizite, fehlende Struktur und Regeln in der Familie – ein großer Teil unserer Kinder bringt Probleme mit in die Schule, die sie häufig wesentlich stärker beschäftigen als die Unterrichtsinhalte. Es ist falsch zu glauben, ab dem Beginn des Unterrichts seien diese Probleme nicht mehr relevant. Wir, als LehrerInnen, können die gesellschaftlich-bedingten Probleme nicht lösen, aber wir bemühen uns ständig, die Lernumgebung der Kinder so zu gestalten und ihren Bedürfnissen anzupassen, dass Leben, Lernen und ihre Entwicklung erfolgreich stattfinden kann. 

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Unser Regelhaus für ein gutes Zusammenleben

Gemeinschaft

Wir versuchen der Tatsache Rechnung zu tragen, dass moderne Arbeitsplätze neben den Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen), in immer größerem Maße soziale Schlüsselkompetenzen wie Selbstständigkeit, Teamfähigkeit, Verantwortungsgefühl, kommunikative Fähigkeiten und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen fordern. Die pädagogischen Konsequenzen aus diesen gesellschaftlichen Veränderungen sind die Einführung der Ganztagesschule, veränderte Lernformen und eine andere Sichtweise unserer Rolle als LehrerIn. Diese Schritte sind ein notwendiger Beitrag in dem ständigen Bemühen, unsere Kinder auf die Herausforderungen ihrer Zeit vorzubereiten. Wir möchten ihnen den Raum schaffen zu verantwortungsbewussten, gesunden Menschen heranzuwachsen, die den Mut und die Kraft besitzen, den Herausforderungen unserer Welt auf kreative Weise zu begegnen.

Alle Begegnungen in der Schule sollen durch eine Atmosphäre des achtsamen und respektvollen Umgangs miteinander geprägt sein. Den Umgang mit Regeln, Grenzen und Konflikten wird besondere Aufmerksamkeit im Unterricht und in den Ganztagesangeboten geschenkt. Neben den Teilbereichen Gesundheitserziehung und Bewegung ist auch der Bereich Förderung der Sozialkompetenz/Gewaltprävention fest in unserem Schulprofil verankert. Ein Sozialtraining durch regelmäßige Angebote wie STUPS, FAUSTLOS, eine zusätzliche Konfliktlösestunde KLAGE und der Trainingsraum sorgen für die Entwicklung von Selbstwertgefühl, Empathie, Konfliktlösestrategien und positivem Umgang mit Stresssituationen. Seit 2014 steht uns hierfür auch eine Schulsozialarbeiterin hilfreich zur Seite.

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Individualität

Eine positive, ermutigende Lernatmosphäre ist uns wichtig. Wir sehen uns nicht ausschließlich als Wissensvermittler sondern als Sozialpartner beim Bindungslernen. Erfahren die Kinder durch die Erwachsenen und untereinander, dass sie verstanden, gemocht und respektiert werden, können sie ein verlässliches Selbstbewusstsein ausbilden und sich für Lernprozesse öffnen. Jedes einzelne Kind soll sich im Schulalltag ernst genommen fühlen. Das Lernen der Kinder ist nachweislich erfolgreicher, wenn sie sich sicher, angenommen und geborgen fühlen.
Zusammenfassend ergeben sich aus dem zentralen Problem der Heterogenität der Lern-, Leistungs-, und Motivationsvoraussetzungen Konsequenzen für unser Unterrichtskonzept.
Wir sind der Überzeugung, dass nur auf eine individuelle Entwicklung und eigene Erfahrung der Kinder abgestimmte Pädagogik, Schlüsselqualifikationen wie Selbstständigkeit, Kreativität oder Teamfähigkeit herausbilden kann.
Nach J. Piaget befinden sich die Kinder im Grundschulalter in der „operativen Phase“. Das heißt sie lernen im Handeln und dazu brauchen sie konkrete Materialien. Durch Ausprobieren, „Falschmachen“, Umdenken und der aktiven Suche nach dem „Richtigen“ entsteht ein tiefes Verständnis von Zusammenhängen. Wissen wird nicht nur kurzfristig gespeichert, sondern verstanden und verinnerlicht. Dieses nachhaltige Lernen benötigt Zeit. Es ist unsere Aufgabe, diese für das Kind bereitzuhalten. Alle Lernformen orientieren sich daran, dass jedes Kind sein individuelles Lern- und Entwicklungstempo hat und es deshalb wider alle pädagogische Vernunft wäre, allen Kindern das Gleiche im Gleichschritt zu lehren.
Durch handlungsorientierten und jahrgangsübergreifenden Unterricht werden die individuelle Entwicklungsmöglichkeit und das natürliche Lernen der Kinder in besonderer Weise unterstützt. Bereits seit dem Schuljahr 2008/2009 werden bei uns die Kinder der Eingangsstufe in jahrgangsgemischten Gruppen unterrichtet. Dies führt gleichzeitig zu einer veränderten Lehrerrolle. Die Aufgabe des Lehrers ist es, vielfältige Lernanlässe zu schaffen. Individuelle Lernwege fordern den Lehrer als Berater, als Coach beim eigenverantwortlichen Lernen. Jedes Kind wird in seiner Besonderheit ernstgenommen. Gemeinsam mit ihm und den Eltern wird ein passender Lernweg gefunden. Der so begleitete individuelle Entwicklungsprozess des Kindes lässt sich nicht mehr nur durch die Bewertung mit der gängigen Notenskala von 1 bis 6 ausreichend beschreiben. Vielmehr erfolgt eine Beurteilung dieser Prozesse verstärkt in Form von Gesprächen, Dokumentationen und Lernberichten.
Methodische Grundlagen für unsere Lerngestaltung ergeben sich aus Lernelementen wie Freiarbeit, Wochenplan, Werkstätten, Projekten und Lernstraßen. In der Unterrichtsgestaltung sind wir frei und offen. Wir integrieren je nach Unterrichtsinhalt alle erprobten Lehr- und Lernmethoden – vom traditionellen Frontalunterricht bis zum völlig selbstgesteuerten Lernen, in einem ausgeglichenen Maß.

Merkmale unseres Unterrichts :

  • Rhythmisierung (Verzicht auf den 45- Minuten-Takt, Abwechslung von Lernphasen, Übungsphasen mit Kreativ- bez. Spielphasen)
  • Jahrgangs- und fächerübergreifende Angebote
  • Formen des offenen Unterrichts
  • Gelegenheit und Anleitung zum selbstständigen Lernen
  • Chancen des gegenseitigen und sozialen Lernens
  • Gestaltung des Unterrichts, dass jedes Kind entsprechend seiner Voraussetzungen Lernangebote nutzen kann
  • Werkstätten
  • Arbeit in unterschiedlichen Niveaustufen
  • Individuelle Arbeitspläne
  • Spezielle Förderung von Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche nach dem ‚Würzburger Orthographischen Trainingskonzept‘

Neben dem Schwerpunkt der Förderung der körperbezogenen Kompetenzen (Sport/Gesundheit) und der sozial-emotionalen Kompetenz legen wir großen Wert auf die Entwicklung der musisch-kreative Kompetenz der Kinder. Der Verankerung des „musisch-kreativen Profils“ im Schulprogramm liegen neue psychologische und neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse zugrunde, die zeigen, dass musikalische Erfahrungen in vielfältiger Weise emotionale, kognitive und soziale Kompetenzen fördern können. Die Kinder haben deshalb an unserer Schule die Möglichkeit, Blockflöte und ab Klassenstufe 3 ein weiteres Blasinstrument zu erlernen. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich an “ Musikimpulse“, dem Schulchor oder der Theater-AG zu beteiligen.

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Gesundheit

Wichtig sind uns „Spielräume“ für die Entwicklung von Körper, Geist und Seele bereitzustellen. Dabei ist zu beachten, dass beim Lernen die kognitive, sensomotorische und seelische Entwicklung den gleich hohen Stellenwert besitzen; sie bedingen und befruchten sich gegenseitig im gesamten Lernprozess.
Aufgrund der eingeschränkten Lebensräume der heutigen Kinder – begrenzter Wohnraum, Verlust natürlicher Spiel- und Bewegungsräume, vorgefertigter Spielsachen, die nur festgelegt Bewegungsabläufe zulassen – gehen unseren Kindern vielfältige Bewegungs- und Begegnungserfahrungen mit Gleichaltrigen und somit wichtige Lernmöglichkeiten verloren. Bewegung und Begegnung ist jedoch die Grundlage für die Entwicklung der Intelligenz. Bewegung ist die Auseinandersetzung mit der Umwelt. In der aktiven Auseinandersetzung beim Spiel mit Gleichaltrigen erwerben Kinder die wichtigen sozialen Schlüsselkompetenzen. Für uns ist es wichtig, Bewegung und gemeinsames Spiel nicht isoliert zu betrachten. Bewegung und Spiel ist eng verwoben mit allem was der Mensch kann, tut, denkt und fühlt.
An unserer Schule wird deshalb dem natürlichen Bewegungsbedürfnis der Kinder viel Raum gegeben. Seit mehreren Jahren sind wir im Besitz des Gesamtzertifikats “Gesunde Schule“, das unter anderem auch die Zertifizierung „Schule mit bewegungs-erzieherischem Schwerpunkt“ beinhaltet. Die Rhythmisierung der Unterrichtsstunden und vor allem der Ganztagesstruktur durch spezielle, verbindliche Bewegungspausen an der frischen Luft und Phasen des freien Spieles in den neuen Betreuungsräumen, sowie der Möglichkeit Ruhe und Entspannung in einem Ruheraum zu finden, leisten einen wichtigen Beitrag zu einer gesunden Weiterentwicklung der Gesamtpersönlichkeit unserer Kinder. Neben dem Schwerpunkt “Bewegung, Spiel, Entspannung“ legen wir Wert auf die Wissensvermittlung über gesunde Ernährung. 

 

Unterrichtsimpressionen:

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